Klang der Zukunft

Klang der Zukunft

Ralf Lippold, 2010.07

Dresden, ein verschlafenes Residenzstädtchen im Osten der Republik. Ruhig und vergangenheitsorientiert – so scheint es dem Betrachter auf den ersten Blick. Eine Entschleunigung und Entrückung von der Hektik, die man oft in anderen Städten antrifft.

Ein wenig Utopia, möchte man meinen.

TrĂĽgen Blicke? Sieht man das, was ist, oder das, was man zu sehen imstande ist? Was ist schon sicher?

Es tun sich überraschende Wendungen auf, wenn feine Veränderungen in Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Kunst wahrgenommen werden. Möglichkeitsfenster öffnen sich für die Zukunft dieser Stadt und die mit ihr verbundenen Menschen. Und so geschah es.

Vor reichlich fĂĽnf Wochen, beim 4. Dresdner Zukunftsforum , hielt sich

Ray Kurzweil, ein renommierter Zukunftsforscher, in Dresden auf. Relativ unbemerkt von der hiesigen Presse und den Dresdnern zeigte sich ein interessantes Verhaltensmuster von Menschen. Neue Entwicklungen, seien es technische oder soziale, werden in ihrem FrĂĽhstadium oft von KĂĽnstlern und anderen Kreativen entdeckt beziehungsweise wahrgenommen. So auch diesmal. N ach dem Tag mit Ray Kurzweil und Sir Tim Berners-Lee im Dresdner Congress Centrum verlieĂźen die meisten Teilnehmer die Veranstaltung mit vollem Kopf. Fragen wie

»Was kann das alles meinem Geschäft nützen? Was bringt die Kunst?« stehen im Raum.

Kunst ergeht es oft ähnlich wie anderen nicht direkt gegenständlichen Dingen des täglichen Lebens: man kann den Wert dieser nicht wirklich messen. »Nicht alles was man zählen kann, zählt auch, und nicht alles was zählt kann man zählen.« (Albert Einstein, Physiker)

Das Neue sucht sich stets den Weg über außergewöhnliche Kunstformen und so auch die elektronischen, wie die Performance der Trans-Media-Akademie Hellerau beim 4. Dresdner Zukunftsforum bestätigte. Die elektronischen Kunstformen spielen künftig eine noch größere Rolle als bisher, da die Zukunft stärker als bisher durch technologische Entwicklungen geprägt sein wird.

Auch neue Formen der Kommunikation wie Facebook und Twitter, zunächst als Spielerei tituliert, führen dazu, dass über das Neue wesentlich schneller und vernetzter gesprochen werden kann. Die kreativen Felder in der Dresdner Geschäftswelt, wie z.B. die Kunst, bieten Räume, die – offen für Neues – Anwendungen neuer Technologien ermöglichen und somit Diskussionsgrundlagen für weiterführende Gespräche schaffen.

Ob eine Klanginstallation, wie beim 4. Dresdner Zukunftsforum erlebt, ausschließlich Kunst ist, bleibt zu hinterfragen. Zunächst entsteht eine derartige Installation in einem geschützten Raum, dem sogenannten Container oder Cultural Island – wie es Edgar Schein, ein US-amerikanischer Organisationspsychologie mit sächsischen Wurzeln, nennt.

Erst in diesem Kontext ist es möglich, im Dialog zu weiterführenden Anwendungsfeldern zu gelangen. Und so sieht es aus, als ob nicht viel passiert. Erst, wenn Innovation eine gewisse Stärke und Robustheit erlangt hat, wird auch die breitere Öffentlichkeit Interesse daran bekunden ohne sofort die negativen und nicht funktionierenden Seiten daran zu sehen.

Es sind stets die aufrührenden und verwirrenden Dinge, die zum gemeinsamen Dialog animieren und somit Neuem den Weg in die Realität öffnen. Das monatliche Designertreffen undsonstso begann in einer Garage im Hechtviertel. Es kommt zu den Vorträgen stets ein kleiner und neugieriger Besucherkreis, der sich auch mit den Themen der Vortragenden wandelt. Über die Monate hat sich die Veranstaltung inzwischen herumgesprochen. Cross-Fertilization über Branchengrenzen setzt nun ein. N ach einem Workshop der Staatlichen Kunstsammlungen im CoOrpheum im Rahmen des World Industrial Design Day, sah man auch Teilnehmer

aus dieser Runde bei undsonstso . Immer wieder die Gelegenheiten bieten, gemeinsam ĂĽber die Zukunft und innovative Dinge zu sprechen, das ist die hohe Kunst, Neues in die Welt zu bringen. Was wird, wenn die Klanginstallation der Trans-Media-Akademie Hellerau vom

4. Dresdner Zukunftsforum als fester Bestandteil der Stadtlandschaft in Dresden zu erleben ist?


http://dresdner-zukunftsforum.de/blog/2010/07/16/performance-der-trans-media-akademie-hellerau

http://undsonstso.com

http://CoOrpheum.com

http://technischesdesign.wcms-file3.tu-dresden.de/blog/?p=2185

more future thematics @CYNETart, November 2010.
next in mag: Interview mit Anke Eckhardt more politics/science related reading:


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