Der Schwarze Spiegel


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Ein tanz- und medienpädagogisches Pilotprojekt in und mit Virtual Reality

in Kooperation mit der Landesb√ľhne Sachsen und der 116. Oberschule Dresden

 

M√§rz ‚Äď November 2022

 

Weit mehr als blo√üer ‚ÄúSehapparat‚ÄĚ, weist VR-Technologie weitreichende Verk√∂rperungsdimensionen auf, die im Pilotprojekt ‚ÄúDer schwarze Spiegel‚ÄĚ mit Sch√ľler*innen erforscht und erprobt werden sollen. Das tanz- und medienp√§dagogische Vermittlungsangebot befragt zugleich Selbst- und Fremdwahrnehmung von K√∂rper und Emotionen in digitalen R√§umen. Denn einerseits erweitern digitale Medientechnologien unsere Wahrnehmung und andererseits disziplinieren und formatieren sie den menschlichen K√∂rper als Sinnesapparat.

Das neue raeume; Kollektiv entwickelt in enger Zusammenarbeit mit dem TMA Hellerau e.V. von M√§rz bis^ August 2022 eine interaktive VR-Anwendung, die eine 360¬į B√ľhne mit geometrischen und beweglichen B√ľhnenelementen umfasst. Die B√ľhnenelemente k√∂nnen sp√§ter von den Sch√ľler*innen mit Videotechnik bespielt und im VR-Raum arrangiert werden. Zudem werden bis zu sieben K√∂rper durch Kinect-Kameratechnik erfasst und als Point-Cloud Avatare in der virtuellen Umgebung abgebildet und gespeichert, so dass die k√∂rperlichen Bewegungen f√ľr k√ľnftige VR-Besucher (z.B. die Sch√ľler*innen) erlebbar sind.

J√ľngere Menschen haben durch intensive Nutzung digitaler Kommunikationsformen zunehmend Probleme, die Emotionen anderer wahrzunehmen, wie die Psychologin Julia Brailovskaia (Ruhr Universit√§t Bochum) in einem Interview mit ze.tt (10.01.2022) erkl√§rt: Die Mimik und die Gesten funktioniere nicht so schnell wie bei einem Emoji. Mit dem Titel ‚ÄúDer schwarze Spiegel‚ÄĚ wollen wir diese Problematik aufgreifen.

Die VR-Umgebung als Spiegelbild menschlicher K√∂rperbewegung ist nicht nur verzehrt oder ‚Äúgebrochen‚ÄĚ, wenn mehrerer K√∂rper eng beieinander stehen und von der Kinect-Kameratechnik nicht eindeutig erkannt werden. Vielmehr emergieren durch die technische √úbersetzung (Software-Programmierung und Hardware-Logiken) Lichtgestalten, die zwar auf menschliche K√∂rperbewegungen reagieren doch zugleich auch ihre Eigendynamiken und Widerst√§ndigkeiten entfalten k√∂nnen.

Auf Basis der software-technischen Infrastruktur durch die TMA wird das Ensemble der Landesb√ľhnen Sachsen Ende August eine Choreographie f√ľr am Pilotprojekt teilnehmende Sch√ľler*innen aufzeichnen. Spannende und herausfordernde Konstellationen f√ľr die Choreographie ergeben sich zwischen tanzenden K√∂rpern und technischer √úbersetzung, wenn K√∂rper ineinander verschlungen oder verdeckt sind.

 

Mit der digitalisierten Choreographie werden vom 29.08. bis 2.09.2022 ca. 24 Sch√ľler*innen der 5. Klasse in ihre Projektwoche an der 116.Oberschule Dresden starten. Die TMA wird hierf√ľr drei technische Settings zur Verf√ľgung stellen, damit die freiwilligen Sch√ľler*innen ihre eigene Tanz-Performance unter dem Motto ‚ÄúDer schwarze Spiegel‚ÄĚ entwickeln k√∂nnen.

 

Die Sch√ľler*innen erproben spielerisch ihre Bewegungen mit ihren Avataren und ahmen die¬† Tanzbewegungen des Ensembles nach, studieren diese ein. Mit dieser k√∂rperlichen Einstimmung sollen die Sch√ľler*innen ihre eigene Lebenswirklichkeit (Computerspiele, Social Media, etc.) reflektieren. Dabei sollen u. a. folgende medien- und tanzp√§dagogische Fragestellungen spielerisch erprobt und beantwortet werden:

 

Wie bewegen und handeln wir in digitalen (VR-)Räumen?
Wie ist VR und was macht es mit unserem Körper?
Wie nehmen wir uns selbst wahr?
Wie k√∂nnen wir Emotionen mit dem Avatar ausdr√ľcken?
Welche (Spiel-)Regeln existieren und wie können sie zum eigenen Vorteil genutzt werden? Was ist sichtbar und was wird unsichtbar?
Was k√∂nnte der ‚ÄúDer schwarze Spiegel‚ÄĚ f√ľr die Sch√ľler bedeuten und wie funktioniert dieser?

Durch die handlungsorientierte Wissensvermittlung von Strategien der Kontakt-Improvisation und dem Austesten der M√∂glichkeiten und Grenzen des digitalen Abbildes durch K√∂rperbewegung √ľbertragen die Sch√ľler*innen ihr Wissen situationsbezogen in und mit der VR-Anwendung. Die Sch√ľler*innen variieren in Gruppenarbeit die Choreographie des Tanzensembles und finden eigene Bewegungsqualit√§ten. Sie entwickeln Figuren √ľber Emotionen und gestalten kooperativ eine gemeinsame Performance durch das Verbinden der Figurenpositionen in VR.

Zum Abschluss der Projektwoche zeigen die Sch√ľler*innen ihre Performance zun√§chst schulintern und am 06. November 2022 als hybride Pr√§sentation mit dem Ensemble auf der Studiob√ľhne der Landesb√ľhnen Sachsen. Durch eine ausf√ľhrliche Evaluation des Pilotprojekt soll es m√∂glich werden, dieses Vermittlungsangebot auch f√ľr weitere Kinder und Jugendliche verf√ľgbar zu machen.

 

Mitwirkende:

VR-Entwicklung::: neue raeume; Kollektiv (www.neueraeume.xyz)
Medienpädagogik::: Katharina Groß
Tanzpädagogik::: Helena M.Fernandino

Theaterpädagogik::: Freya Gemeiner

Choreografie::: Natalie Wagner

Key Visual Entwicklung: Anne Lippert, Stephan Thiel und Andres Hilarion

 

Gefördert durch tanz:digital

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Schlagworte: Virtual Reality, Interdisziplinär, Vermittlungsangebot