Die Entourage des Wettbewerbs – Tanzbare und optische Delikatessen zur CYNETART 2010

10/2010 . txt von Ralf Denke

Die Ausstellung zum diesj√§hrigen Wettbewerb der CYNETART wird von einem hochwertigen Rahmenprogramm begleitet, das sich des konzeptionellen Credos syn√§sthetischer Grenzerfahrungen annimmt. Dazu werden neben den erfahrenswerten Wettbewerbsbeitr√§gen zahlreiche Begehrlichkeiten sowie illustre G√§ste pr√§sentiert. Den Auftakt bildet die Soiree nach der offiziellen Er√∂ffnung und Preisverleihung (Donnerstag, 11. November). Hierzu wird Kali Avaaz ein musikalisches Gastspiel geben. Ihre fr√ľhen Experimentalmusikeinfl√ľsse lassen sich noch heute in den eher z√§rtlich-sph√§rischen und technoiden Klangmustern ihrer stilsicheren Mixdarbietungen erkennen. Zum Start der Automatic Clubbing Night I (Freitag, 12. November) pr√§sentiert die CYNETART ein hochwertiges Cluster an Musikern und Videok√ľnstlern. Das Projekt Zerkalo, eine Kollaboration von Victoria Lukas und dem Elektropionier Gerald Donald alias Heinrich Mueller, offeriert eine Melange aus prunkenden Sequenzerlinien, pulsierenden Knackbeats und die beseelten Vokalkraft von Lukas. Zudem wurde das spanische Nachwuchstalent Annie Hall aka Analogica verpflichtet. Die emotionsgeladene Collage ihrer Live-Auftritte subsummiert kantigen Elektro, Acid und Techno mit melodischen Komponenten der fr√ľhen IDM-Bewegung der Neunziger. F√ľr den Abschlussreigen dieses transzendalen Klubabends sorgt die aus New York kommende Veronica Vasicka ‚Äď Gr√ľnderin des Labels Minimal Wave und Urheberin der East Village Radioshow. Sie ist auf knusprige Italo-Synthiepophymnen und k√ľhlen New Wave spezialisiert und wird an diesem Abend den Sound ihres Labels pr√§sentieren. Ihr zur Seite steht der DJ, Produzent und Labelgr√ľnder von Nation Records Chicago, TRAXX, dessen hochemotionale Kompositionen einen Garant f√ľr eine progressive Tanzflurmischung darstellen. Die samst√§gliche Bewegungsgarantie wird duch das junge Dresdner Label Uncanny Valley sichergestellt. Der musikalische Vorzeigeexport Jacob Korn wird gemeinsam mit lokalen Audio- und Videok√ľnstlern ein exklusives Setting kreieren, das w√§hrend der Festivalwoche in einem Workshop erarbeitet wird. Demnach gibt es keine Kunst vom Band, sondern ein echtes √úberraschungsei mit einer einzigartigen Labelpr√§sentation, die von der kreativen Sch√∂pfungsh√∂he ihrer Protagonisten lebt. Gleichwohl kann das Publikum wieder Teil dieser Darbietung werden. Abgerundet wird der Abend durch Oni Ayhun, der ganz au√üergew√∂hnlichen Techno spielen wird sowie Credit 00. Nach der unersch√∂pflichen Tanzflurpr√§senz komplettiert die CYNETART 2010 ihr Programm mit mehreren k√ľnstlerisch herausragenden audiovisuellen Projekten. Das Dienstagsbankett (16. November, 21 Uhr) wird der G√§steschar durch D-Fuse serviert. Dieses K√ľnstlerkollektiv aus London ist sowohl in Kunst- und Business-Zirkeln angekommen. Einerseits staffierten sie vielf√§ltige Ausstellungen und architektonische Kunstr√§ume mit ihren teilweise gesellschafts-kritischen Visualisierungen auf globaler Ebene aus, andererseits ist es ihnen gelungen, ihren Konzeptionen eine gewisse Marktreife zuteil werden zu lassen, die von der Markenwirtschaft umgarnt wird. Als Pioniere der VJ-Kultur kreieren sie einen kritischen Surrealismus, der sich des Konfliktreichtums unserer sozialen und √∂kosystemischen Umwelt musikalisch und visuell annimmt. Die aktuelle AV-Performance Particle dekonstruiert urbane Strukturen und bringt dabei das Bild einer Stadt zum Vorschein, die im immateriellen Netzwerk genauso existiert wie im tats√§chlichen Raum. Particle entzieht sich dem Reiz einer beliebigen Technik-Utopie und erforscht so auch die Br√ľche und Reibungen, die an der Grenze zwischen der virtuellen und der gelebten Erfahrung entstehen. Nachfolgen wird an diesem Abend Ulf Langheinrich mit seiner audiovisuellen Auff√ľhrung DRIFT (16. November, 22.30 Uhr). Sein Konzept basiert wesentlich auf der Technologie der Granularsynthese. Das allein ist noch nichts grunds√§tzlich Neuartiges. Vielmehr wird es durch Langheinrichs individuelle Umsetzung reizvollendend ‚Äď er zergliedert realistische, hochaufgel√∂ste 35mm-Format-Szenen in abstrakte Partikel aus zitternden Bildrasternund wabernde Musikgittern. Es entsteht eine feingliedrige und fragile Metamorphose aus Bild und Ton, w√§hrend die audiovisuellen Elemente aufsteigen und fallen, miteinander verschmelzen, wieder brechen und sich neu ausdehnen. Dieses Konzeptwerk spannt epische Emotionsb√∂gen, die in ihrer devianten Eigenhaftigkeit eine beinahe unertr√§gliche Spannung und Hypnose erzeugen. Der feinsinnigen Dramaturgie der vorangegangenen Inszenierungen folgend, wird der Ausklang des Festivals mit der CYNETART Listening Night (17. November, 20 Uhr) vollzogen. Das nahezu spirituelle Projekt L√≥pez Immersive Sound des Spaniers Francisco L√≥pez er√∂ffnet enthemmte Grenzerfahrungen im Innerlichkeitskosmos der G√§ste. W√§hrend der Performance k√∂nnen sich die G√§ste liegend und mit verbundenen Augen auf einen mentalen Trip begeben. L√≥pez sammelt und archiviert seit √ľber 30 Jahren Klangelemente aus der direkten und urbanen Umwelt. Diese eklektische Offerte wird wesentlich durch abstrahierte Ambientsph√§ren des Amazonas-Gebiets gepr√§gt sein. Die Zuh√∂rer erreichen dadurch eine Schau in ihr personalisiertes Panoptikum, das durch die ikonoklastische Formung bestehend er Utopien und stereophone Bewusstseinserweiterung verfeinert wird. Damit gelingt der CYNETART 2010 ein kontrastreicher Abschluss zur wirbelnden Entourage der pomp√∂sen Festivaltage.



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