Von musikalischen Geschenken und globaler Kommunikation

10_CY_#1_bohnerwachs_MS-151-web-450px

Es ist seit einigen Jahren eine schöne Tradition, dass irgendwann um Weihnachten herum einige Dresdner Klangtüftler zur Bohnerwachs Session einladen

– dann passiert es, dass sich verträumte Bleeps und Blurps mit nebulösen Soundschwaden verschränken und man für einen kurzen Moment vergisst, wo man ist – ist man erst aus dem Club nach draußen gestolpert, irrt man ein wenig ziellos umher und ist: lost in space. Gut, wenn man dann einen Ort hat, an dem man ankommen kann, an dem man auf solche Leute trifft, die dasselbe umtreibt.

Phonocake ist so ein Ort – ein virtueller zwar, aber man darf sich ruhig ein Herz fassen und behaupten: einen gigantischen Unterschied macht das in Zeiten, in denen Hinz und Kunz Klamotten und Gemüsekisten online ordern, eigentlich nicht. Das Netlabel ist seit sieben Jahren im Auftrag avancierter elektronischer Musik ein Raum, in dem Musik entdeckt, gehört und umsonst heruntergeladen wird, wo sich die Tracks von Künstlern aus der ganzen Welt, die sich – sei es durch Zufall oder nach gezielter Suche – gegenseitig aufgespürt haben, wie ein Netz aufspannen, ohne dass hiesige Acts aus dem Blick geraten. Wenn man will, kann man Phonocake sogar als Kristallisationspunkt facettenreicher Acts bezeichnen: hier kann kommen und gehen, wer mag, mal dauert die Reise nur kurz, mal lang.

Im Falle der Kollegen von Bohnerwachs ist letzteres der Fall: Anaxy, Idhren, Kern, Escape Now!, Enzym, Echo Logy, Noize Creator und Cyclotron – ohne sie alle über einen Kamm scheren zu wollen – schmieden Beats, treibende Flächen, sphärische und bisweilen auch verstörende und abgründige Soundmatten zu melancholischen, verfrickelten Türmen zusammen, von denen man eine famose Sicht über bizarre Landschaften hat, die aber nie den Dancefloor außer Acht lassen. Die Mischung aus Euphorie und Träumerei – das ist die große Stärke der Jungs.

http:/www.phonocake.org | http://www.hellerau.org

Phonocake/Bohnerwachs-Showcase @ Tonlagen Festival Dresden, Oktober 2010. .Link.

Autor: Nadja Voigt, 2010.07

next in mag: ANNIE HALL – Nostalgic Beats more sound related reading:


Tags: , , ,

Post a Comment

You must be logged in to post a comment.